Förderpreis «Lebensgestaltung im Alter» der Senevita Stiftung

19.09.2018

Am 4. September 2018 haben die Senevita Stiftung und das Institut Alter zum fünften Mal den Förderpreis «Lebensgestaltung im Alter» vergeben. Die ausgezeichnete Masterarbeit des diesjähriger Preisträgers Jörg Oelschlägel wurde am Institut Alter im Studiengang Gerontologie verfasst. Sie beschäftigt sich mit der Frage, welche strukturellen und konzeptionellen Voraussetzungen eine an den Bedürfnissen der Bewohnenden orientierte Lebensgestaltung fördern.

Die Masterarbeit mit dem Titel «Wohngruppen im Pflegeheim. Eine empirische Untersuchung zum Hausgemeinschaftsmodell» zielt darauf ab, abgeleitet vom Hausgemeinschaftsmodell Ideen und Handlungsfelder aufzuzeigen sowie praxisorientierte Empfehlungen für eine bedürfnisorientierte Gestaltung von Strukturen, Abläufen und Konzepten in Institutionen der Langzeitpflege zu formulieren. Diese Praxisnähe und -relevanz war beim Entscheid für die Preisvergabe zusammen mit der wissenschaftlichen Qualität und dem Innovationspotenzial ausschlaggebend.

Lebensqualität, Normalität, Vertrautheit und Geborgenheit im Alltag

Das Hausgemeinschaftsmodell erachtete der Autor als besonders geeignet, weil es für das Ziel steht, die Lebenswelt der Bewohnenden in der Institution möglichst nahe am Alltag ausserhalb der Institution zu gestalten. Es steht für Lebensqualität, Normalität, Vertrautheit und Geborgenheit im Alltag. Im Rahmen seiner Arbeit befragte er 10 Expertinnen und Experten des Hausgemeinschaftsmodells, welche gelebten Aspekte des Modells aus ihrer Sicht die Bewohnerorientierung am stärksten fördern.

Diese Untersuchung basiert auf den Ergebnissen zweier Modularbeiten des Autors im Rahmen des MAS-Studiengangs Gerontologie am Institut Alter. In diesen hatte er sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit sich Strukturen und Abläufe in Institutionen der Langzeitpflege an den Bedürfnissen der Bewohnenden orientieren und dazu die Bewohnenden und die Pflegepersonen befragt. Aus beiden Perspektiven nahm der Autor wahr: der Alltag in den Institutionen wird stärker von den räumlichen und zeitlichen Vorgaben der Institutionen geprägt als von den Bedürfnissen der Bewohnenden.

Fokus auf Lebensgestaltung bei gleichbleibender Pflegequalität

Die Ergebnisse der Masterarbeit zeigen, dass die bewohnerorientierte Haltung der Institutionsleitung eine wichtige Rolle spielt: Sie bildet das Modell für die gelebte Haltung der Pflegepersonen im Alltag. Dieser Alltag wiederum orientiert sich idealerweise am Tagesablauf des Lebens, das die Bewohnenden vor dem Eintritt in eine Institution geführt haben. So gibt es zum Beispiel keine fixen Zeiten für Mahlzeiten, Aufstehen oder Zubettgehen. Jede Person kann nach ihrem gewohnten Rhythmus leben. Hauswirtschaftliche Tätigkeiten werden in den Alltag der Bewohnenden integriert. Wer will, deckt beispielsweise den Mittagstisch oder legt Wäsche zusammen. Der Fokus des Modells liegt auf der Lebensgestaltung, nicht auf der Pflege. Dies geschieht stets ohne die Pflegequalität zu vermindern.

Der Förderpreis, der jährlich vergeben wird, will das Interesse von Studierenden für Themen des Alters wecken und den Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis unterstützen.  

Preisgekrönte Masterarbeit «Wohngruppen im Pflegeheim. Eine empirische Untersuchung zum Hausgemeinschaftsmodell» von Jörg Oelschlägel

V.l.n.r.: Jörg Oelschlägel (Preisträger), Regula Blaser (Institut Alter), Matthias Müller (Senevita Stiftungsrat), Bruno Tanner (Senevita Stiftungsrat)