Angehörigen- und Freiwilligen-Support in der Sozialdiakonie

Ursula Jarvis ist als Sozialdiakonin in der ref. Kirche Mettmenstetten und Affoltern a.A. mit der Leitung eines freiwilligen Besuchsdienstes sowie mit Schulung und Begleitung der Freiwilligen beauftragt. Mit Erfahrung und dem Hintergrund der Weiterbildung als Supporterin kann sie auch in grösseren regionalen Projekten mitwirken, so unter anderem bei einem Projekt zur Begleitung bei schwerstkranken und sterbenden Menschen zu Hause oder in der Palliativstation.

Wie sieht Ihre Aufgabe im Bereich Angehörigen- und Freiwilligen-Support aus?
Ursula Jarvis: Ein Hauptfeld meiner Anstellung ist die Leitung des freiwilligen Besuchsdienstes. Das beinhaltet die Schulung der Freiwilligen und die Organisation der Weiterbildungen. Der Besuchsdienst entlastet Angehörige, Partner und auch Kinder, die selber betreuen oder so weit weg sind, dass sie keine pflegerischen und sozialen Funktionen übernehmen können. Der Besuchsdienst ist ein Angebot auf der Beziehungsebene. Zudem mache ich Einzelbegleitungen und Beratungen in der Kirchgemeinde, auch überkonfessionell.

Ein neues Projekt der Landeskirche Zürich heisst «va-bene, besser leben zu Hause». Es geht darum, dass Pfarrer und Pfarrerinnen und Sozialdiakoninnen sowie Freiwillige geschult werden, die Besuchten ganzheitlich wahrzunehmen, auf soziale, körperliche, ethische und spirituelle Fragen der Betreuten aufmerksam zu werden und den Kontakt zu Profis herzustellen, wenn nötig. Auch dieses Projekt kann Angehörige entlasten, sei es dass Angehörige, die pflegen und Entlastung brauchen, auf entsprechende Angebote aufmerksam gemacht werden oder dass sie Alleinstehenden früh genug professionelle Hilfe zukommen lassen. Meine Aufgabe besteht im Leiten der Supervisionsgruppe der Freiwilligen, in der Beratung bei den verschiedenen Fragestellungen und, bei Bedarf, im Vermitteln von Fachstellen.

Seit November 2011 haben wir im Bezirk eine spezielle Gruppe von Freiwilligen, die Begleitungen bei schwerkranken und sterbenden Menschen macht, einerseits im ambulanten Bereich, aber auch auf der Palliativstation. Die Freiwilligen haben alle eine Ausbildung im Umfang von ca. 60 Stunden genossen. Zudem haben sie auch Intervision und weiterführende Weiterbildungen. Auch das ist eine grosse Entlastung für Angehörige.

Welches Interesse hat die Kirche, Angehörigen- und Freiwilligen-Support zu fördern und die Aufgabe durch eine Person mit spezifischer Weiterbildung ausführen zu lassen?

Die Kirche sieht seit jeher ein grosses Einsatzgebiet in der Altersarbeit. Durch die demographische Entwicklung stellt sich immer mehr die Frage, wer welche Unterstützung bieten kann. Die Kinder leben nicht mehr in der Nähe der Eltern, können also die Betreuung und Pflege nicht mehr selber leisten. Die Kirche hat den Auftrag, ihren diakonischen Dienst dort anzubieten, wo er am meisten gebraucht ist. Zudem ist die Kirche stark in der Freiwilligenarbeit, und es ist klar, dass diese Freiwilligen kompetent begleitet und auch geschult sein müssen.

Welche besonderen Entwicklungschancen im Bereich Angehörigen-Support haben sich im vergangenen Jahr seit Beginn Ihrer Ausbildung ergeben?
Ich werde oft für Workshops angefragt, ich durfte beim neuen Leitfaden der Kantonalkirche zur Altersarbeit mitarbeiten und die pflegenden Angehörigen vertreten. Ich bin seit der Ausbildung auch als Vertreterin der Kirche in der Alterskommission und kann auch dort immer dazu beitragen, dass die pflegenden Angehörigen nicht vergessen werden. Ich konnte mich seit der Ausbildung viel besser vernetzten mit anderen Institutionen und Fachleuten und so grössere Projekte realisieren (z.B. den Begleitdienst Knonaueramt für schwerkranke und sterbende Menschen – eine interdisziplinäre Projektgruppe, die diesen Dienst innerhalb von 10 Monaten aufgebaut hat).

Mein Fachwissen wurde definitiv vertieft und hat mir auch Ansporn zu weiteren Weiterbildungen gegeben. Vor allem der Ressourcenorientierte Ansatz wurde für mich durch die Weiterbildung sehr zentral!

Welche Bedeutung hat der Besuch des DAS-Studiengangs für Sie?
Die Situation der pflegenden Angehörigen ist in meinen Fokus gerückt, ich erkenne die gesellschaftliche Dimension im Bereich Pflege und Begleitung von älteren Menschen für unsere nahe Zukunft. Die demographische Entwicklung zeigt ganz klar, dass ohne das Mittun aller keine qualitativ gute Betreuung möglich sein wird. Aber für die Begleitung und Qualitätssicherung der Arbeit der Freiwilligen braucht es Fachleute. Das sehe ich als eine grosse Aufgabe an.

Mein besonderes Augenmerk liegt durch meine Diplomarbeit im Bereich der Demenz. Auch Freiwillige können kompetent Menschen mit Demenz begleiten und so Angehörige entlasten, wenn sie geschult und unterstützt werden. Im Moment möchten wir auch bei uns in der Region ein «Gipfeltreffen» organisieren. Das sind Gesprächs- und Aktivierungsgruppen für Menschen mit Gedächtnisschwierigkeiten. Es richtet sich an jüngere Demenzbetroffene, die noch nicht in eine Tagesklinik wollen. Es beinhaltet ein gemeinsames Mittagessen und Gruppenaktivitäten, wie Singen, Spiele, Basteln und Kunsttherapie usw. Das gibt den Angehörigen Freiraum von 11:00-17:00 Uhr. Gedacht ist, dass eine Fachperson und Freiwillige die Gruppe leiten.