Angehörigen-Support im Pflegeheim

Immer mehr Pflegeinstitutionen werden gewahr, wie wichtig die gute Zusammenarbeit mit Angehörigen ist. Susanne Aeschlimann hat Angehörigenarbeit im Altersheim Reichenbach integriert und stellt den Support der Mitarbeitenden in Angehörigen-Themen sicher. Angehörige bleiben dies auch nach dem Heimeintritt, sie müssen aber mit der neuen Situation, Rolle und Aufgabe, klarkommen. Ähnlich wie in der Spitex sind auch hier spürbar positive Auswirkungen auf den gesamten Pflege- und Betreuungsbereich festzustellen.

Wie sieht Ihre Aufgabe im Bereich Angehörigen- und Freiwilligen-Support aus?
Susanne Aeschlimann: Bei einem 80%-Pensum entfallen etwa drei Viertel auf Aufgaben im Prozessmanagement, auf Projektleitungen und interne Weiterbildungen. Rund einen Viertel wende ich auf für Angehörigen-Support oder das Beraten der Pflegenden in Fragen zur Zusammenarbeit mit den Angehörigen.

Dabei arbeite ich fliessend in beiden Aufgaben. Aufgrund des Jahresarbeitszeit-Modells bin ich flexibel, so dass ich Angehörigengespräche beispielsweise auch an einem Samstag oder abends um 20.00 Uhr planen kann.

Welches Interesse hat das Heim, den Angehörigen Unterstützung zu leisten und diese Aufgabe durch eine Person mit spezifischer Weiterbildung in Angehörigen- und Freiwilligen-Support ausführen zu lassen?
Aus meiner Perspektive sind die Angehörigen die grösste Gruppe, die in der Institution ein- und ausgeht. Allein diese Tatsache müsste Grund genug sein, den Angehörigen-Support in der Institution anzubieten.

Konflikte mit Angehörigen konnten in unserer Institution auf ein Minimum reduziert werden. Pflegende und Angehörige erkennen sich als Partner und stehen sich in der Betreuungssituation nicht mehr als «Gegner» gegenüber.

Im Weiteren tragen die Angehörigen ihre Haltung gegenüber der Institution in die Öffentlichkeit. Indirekt machen Angehörige «Werbung» für die Institution. Dies kann so weit gehen, dass sich ältere Menschen bei uns anmelden oder Stellensuchende sich an uns wenden weil Angehörige die Institution positiv erlebt haben.

Welche besonderen Entwicklungschancen im Bereich Angehörigen-Support haben sich in den vergangenen Jahren seit Beginn Ihrer Ausbildung ergeben?
Im Heim konnten wir den Angehörigen-Support im Organigramm verankern. Er wurde ins Pflegekonzept und den Pflegeprozess integriert. Spürbar ist, dass Angehörige und Pflegende ihre Rollen besser kennen und partnerschaftlich zusammenarbeiten. Gegenseitige Ängste konnten deutlich abgebaut werden. Pflegende aller Funktionsstufen können sich bei Bedarf Rat und Unterstützung bei mir holen. Bei uns kommt es immer wieder vor, dass auch Bewohnerinnen und Bewohner selber in der Rolle der pflegenden Angehörigen sind. Der Support steht auch ihnen zur Verfügung.

Das Support Angebot wird nicht standardisiert gelebt, d.h. es gibt keine standardisierten Eintritts-, Aufenthalts- oder Austrittsgespräche. Der Support orientiert sich immer an den Bedürfnissen der Angehörigen und findet je nach Situation im Gespräch im Altersheim, zu Hause, telefonisch, via Mail oder SMS statt.

Welche besondere Bedeutung hat der Besuch des DAS Angehörigen- und Freiwilligen-Support für Sie?

Der DAS hat meinen vorherigen Beruf auf wunderbare Weise ergänzt und vervollständigt. Die Unterstützung der Angehörigen muss nicht mehr sozusagen «neben» der Pflege gemacht werden. Für mich ist das Arbeiten in einer Altersinstitution ohne Angehörigen-Support nicht mehr vorstellbar. Letzte Woche äusserte eine Pflegehelferin: «Ich bin so froh, dass ich den Angehörigen deine Nummer geben kann oder dich direkt aufbieten kann, wenn es die Situation erfordert… Früher hatte ich oft ein mulmiges Gefühl, wenn Angehörige Fragen gestellt haben und ich diese nicht beantworten konnte…»