Angehörigen-Support im Kontext teilstationärer Entlastungsangebote für Menschen mit Demenz

Monika Wiederkehr ist in einer Pflegeinstitution, im Zentrum Ergolz in Ormalingen, tätig. Für Angehörige von noch zuhause lebenden Menschen mit Demenz stehen Entlastungsangebote in Form von Kurzzeit-, sowie Tages- und Nachbetreuung zur Verfügung. Die Pflegefachfrau ist für den Bereich der Entlastung und Beratung pflegender Angehöriger verantwortlich und wird die Beratungsstelle aufbauen.

 

Wie sieht Ihre Aufgabe im Bereich Angehörigen-Support hauptsächlich aus?
Monika Wiederkehr: Unser Entlastungsangebot für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz im Zentrum Ergolz umfasst Kurzzeitaufenthalte, Tagesbetreuung, Nachtbetreuung und eine Beratungsstelle. Mein 80%-Pensum ist je zur Hälfte aufgeteilt in die Funktion der Abteilungsleitung (im Job-Sharing) und die Aufgaben im Zusammenhang mit den Entlastungsangeboten. Dazu gehören Erstkontakte mit pflegenden Angehörigen, meist im Rahmen von Anfragen über unsere Angebote. Ich lade die pflegenden Angehörigen jeweils zu einem persönlichen Gespräch ein, bei dem ihre Anliegen besprochen werden können. Meist entsteht daraus eine Inanspruchnahme eines unserer Entastungsangebote, die dann durch weitere Gespräche begleitet werden. Nebst dem direkten Kontakt mit den pflegenden Angehörigen gehört auch die Zusammenarbeit mit Sozialdiensten (Gemeinden, Kliniken) und anderen Anbietern von Entlastungsangeboten (z.B. Alzheimervereinigung, Tagesstätten, Pro Senectute) zu meinen Aufgaben.

Welches Interesse hat das Zentrum Ergolz, diese Aufgaben durch eine Person mit spezifischer Weiterbildung in Angehörigen-Support ausführen zu lassen?
Das Zentrum Ergolz hat sich in den vergangenen Jahren im Bereich der Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz weiterentwickelt und mit der Inbetriebnahme des Erweiterungsbaus mit geschützten Wohngruppen vor rund zwei Jahren ein deutliches Zeichen gesetzt. In diesem Prozess haben die verantwortlichen Personen erkannt, dass Angehörige von Menschen mit Demenz dringend Unterstützung brauchen, die über die «Alltagsgeschäfte» und vorgesehenen Dienstleistungen unserer Institution hinausgehen. Um zukünftig ein Kompetenzzentrum für die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz zu sein, war der Aufbau einer Beratungsstelle in Verbindung mit den verschiedenen Entlastungsangeboten vorgesehen. Um diese Aufgaben leisten zu können, war es für mich eine wesentliche Voraussetzung, dass ich die Möglichkeit der Kompetenzerweiterung in Form einer Zusatzausbildung erhalte. Die Geschäftsleitung des Zentrums Ergolz hat diese Einschätzung mit mir geteilt und mir den Auftrag erteilt nach einem geeigneten Weiterbildungsangebot zu suchen. Meine Wahl ist auf den Studiengang Angehörigen- und Freiwilligen-Support gefallen; das Curriculum mit seinem vielfältigen Angebot hatte mich überzeugt.

Welche besonderen Entwicklungschancen im Bereich Angehörigen-Support haben sich in den vergangenen Jahren seit Beginn Ihrer Ausbildung ergeben?
Ich kann mit Gewissheit sagen, dass sich der Stellenwert der Angehörigen gewandelt hat. Dadurch, dass eine spezielle Stelle geschaffen wurde, haben Angehörige die Möglichkeit, in ihrem Belastungs- und Entlastungserleben begleitet zu werden. Der Fokus liegt dabei in erster Linie auf ihren eigenen Anliegen, die Bedürfnisse der zu Betreuenden werden durch Mitarbeitende der Betreuungsteams abgedeckt. Die verschiedenen Entlastungsangebote sind stark an den Bedürfnissen der Angehörigen ausgerichtet, sei es zum Beispiel durch flexible Tagesbetreuungszeiten oder durch sehr kurzfristige Aufnahmen ins Ferienzimmer. Diese Angebote widerspiegeln die Haltung und die darin enthaltene Wertschätzung den enormen Leistungen den pflegenden Angehörigen gegenüber. Durch den Besuch des Studiengangs habe ich in der Unterstützung der Angehörigen Sicherheit gewonnen. Meine Kompetenzen im Umgang mit pflegenden Angehörigen konnte ich deutlich erweitern, sodass mein Auftrag – der Aufbau eines Beratungsangebotes in Verbindung mit den Entlastungsangeboten – gelingen kann.

Welche besondere Bedeutung hat der Besuch des DAS Angehörigen- und Freiwilligen-Support für Sie?
Es gibt sehr viele bedeutungsvolle Aspekte und es fällt mir schwer nur einige zu nennen. Ich denke, dass eine grosse Erkenntnis darin liegt, dass Bildung – in welcher Form auch immer – mit Veränderungsprozessen einhergeht. Zum einen sind dies die persönlichen Auseinandersetzungen mit der eigenen Lebensgestaltung, mit der eigenen Person, zum anderen ganz stark auch die berufliche Positionierung im Bereich Angehörigen-Support. Durch die intensive Bearbeitung der Lerninhalte hat sich meine Vorstellung von wirksamen Unterstützungsangeboten verändert und weiterentwickelt, diese werden unweigerlich in die Gestaltung meiner eigenen neuen Berufsrolle als «Supporterin» einfliessen. Durch den Studiengang konnte ich bereits gemeinsam mit anderen in der Beratung tätigen Personen ein kleines Netzwerk aufbauen, welches sich als durchaus tragfähig erweisen kann. In mir ist auch das Bewusstsein gewachsen, dass der Angehörigen- und Freiwilligen-Support eine grosse Lücke im Gesundheitswesen schliessen kann. Dazu braucht es aber viel Überzeugungsarbeit in verschiedenen Richtungen, sei es in der Politik, in den Institutionen selber und, ganz wichtig, auch im persönlichen Umfeld.