Angehörigen-Support in der Pro Senectute

Pflegende Angehörige gehören traditionellerweise zu den Kunden der Pro Senectute-Dienstleistungen. Oft suchen sie zunächst einmal Hilfestellungen in alltagspraktischen Fragen, wie Finanzen, Sozialversicherungen, Steuern, Hilfsmittel. Wenn eine Vertrauensbasis da ist entstehen aber oft auch umfassendere Support-Begleitungen. Mia Müller Graf kann als Sozialarbeiterin mit Weiterbildung in Angehörigen-Support in der Pro Senectute im Rheintal in diesen oft anspruchsvollen Beratungen von pflegenden Angehörigen einen besonderen Schwerpunkt legen.

Wie sieht Ihre Aufgabe im Bereich Angehörigen- und Freiwilligen-Support aus?
Mia Müller Graf: Die Sozialberatung bei der Pro Senectute steht allen Seniorinnen und Senioren sowie den Angehörigen offen. Somit gehören die pflegenden Angehörigen zu unseren Kunden. Oft geschieht der Einstieg über Alltagspraktisches, wie z.B. Fragen zum Finanziellen allgemein, Information und Anmeldungen von Ergänzungsleistungen und Hilflosenentschädigung, Beratung zu Hilfsmitteln, wie Notruf, Pflegebetten usw., das Ausarbeiten einer Pflegevereinbarung oder das Regeln von Verantwortlichkeiten über Patienten- und Vorsorgeverfügung usw.

Sehr oft kommt es vor, dass, wenn eine gewisse Vertrauensbasis geschaffen werden konnte, Angehörige auch über die eher schwierigeren Situationen erzählen und auch heikle Punkte ansprechen können wie Erschöpfung, Ausgebrannt-Sein, Geduld verlieren, vereinsamen, Überforderung, Wunsch nach Entlastung; manchmal können sie auch den Gedanken zulassen, dass ein Heimeintritt eine mögliche Option wäre.

Den Support der Angehörigen kann ich gut in meinen Arbeitsalltag integrieren, da er ein Bestandteil der Sozialberatung ist. Von den Kundinnen und Kunden, die uns in der Sozialberatung aufsuchen sind sicher ca. 40% Angehörige. Ca. 5% wünschen sich einen längeren Support, Tendenz steigend.

Welches Interesse hat Pro Senectute, diese Aufgaben durch eine Person mit spezifischer Weiterbildung in Angehörigen- und Freiwilligen-Support ausführen zu lassen?
Ich gehe davon aus, dass Pro Senectute ein Interesse daran hat, dass ihre Sozialberaterinnen und Sozialberater sich zu diesem Thema weiterbilden, zumal Pro Senectute ja diese Ausbildungen auch unterstützt. Die Erfahrung zeigt, dass die Fälle, bei denen es um Angehörigen-Support geht, eher mir zugeteilt werden, da ich diese Weiterbildung gemacht habe.

Pro Senectute St. Gallen hat in einem Grundsatzpapier festgehalten, dass sie ein spezielles Augenmerk auf die Angehörigen, die ihre dementen Partner, Eltern oder Verwandten pflegen, richten und ihnen den nötigen Support geben will. Daraus schliesse ich, dass es erwünscht ist, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich zu diesem Thema speziell weiterbilden.

Welche besonderen Entwicklungschancen im Bereich Angehörigen- und Freiwilligen-Support haben sich in den vergangenen Jahren seit Beginn Ihrer Ausbildung ergeben?
Ich denke, dass die Sensibilisierung für das Thema einen gewissen Sogeffekt ausübt. Ich habe den Eindruck, dass mehr Angehörige kommen, um Unterstützung zu holen. Vielleicht hat es aber damit zu tun, dass das Thema breiter diskutiert wird und sich Angehörige eher getrauen Hilfe zu holen.

Ich bin auch viel hellhöriger geworden. Wenn Angehörige zu mir in die Beratung kommen und etwas «Handfestes» wissen wollen, versuche ich herauszuhören, wo eventuell weitere Fragen und Anliegen sind, die nicht so leicht angesprochen werden können. Dabei ist es mir ein Anliegen nur so weit zu gehen, wie es die Menschen wollen, denn sie wissen am besten was ihnen gut tut.

Welche besondere Bedeutung hat der Besuch des DAS Angehörigen- und Freiwilligen-Support für Sie?
Mir wurde noch bewusster welch gewaltige Aufgabe pflegende Angehörige bewältigen und wie wichtig es ist, sie dabei zu unterstützen. Und die Einsicht, dass diese Unterstützung sehr vielfältig aussehen kann und muss, je nach Bedürfnis des Angehörigen.
Die Betreuung eines Angehörigen muss nicht immer als Belastung empfunden werden, wenn es dem Pflegenden gelingt, die Situation mitzugestalten und Platz auch für seine Bedürfnisse zu schaffen.