Angehörigen-Support in der Spitex

Maria Steiner konnte eine in die Spitex Grauholz implementierte Angehörigenberatungsstelle aufbauen und führt die Beratungen auch selber durch. Zum Aufgabenfeld gehört zusätzlich auch Sensibilisierungs-, Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit.

 

Wie sieht Ihre Aufgabe im Bereich Angehörigen- und Freiwilligen-Support hauptsächlich aus?
Maria Steiner: Die Beratungsstelle ist eine erste Anlaufstelle für Angehörige und Familien, die im Pflegeprozess stehen oder bei denen sich eine Übernahme von Betreuung und Pflege abzeichnet. Sie steht allen Einwohnerinnen und Einwohnern des Einzugsgebietes der Spitex Grauholz offen.

Ich arbeite 50% in der Pflege resp. im Abklärungsteam und ca. 15% für die Beratungsstelle. Anmeldungen erfolgen über die Geschäftsstelle, über Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Spitex, ab und zu auch über einen Hausarzt. Im Durchschnitt melden sich monatlich zwei bis drei Angehörige für eine Beratung an. Ich nehme nach Möglichkeit noch am gleichen Tag Kontakt mit ihnen auf, erkundige mich nach ihren Fragen, Sorgen und Bedürfnissen und vereinbare einen Termin. Zu Beginn meiner Tätigkeit hatte ich erwartet, dass ich pflegende Angehörige bei ihnen zu Hause aufsuchen würde. Nun habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Gespräche in den häufigsten Fällen bei mir im Büro stattfinden. Der neutrale Raum ausserhalb des häuslichen Umfeldes wird geschätzt.

Häufig sind es Partnerinnen und Partner, Töchter und Schwiegertöchter und Söhne, welche die Beratungsstelle aufsuchen. Manchmal ist es sinnvoll, wenn bei einem zweiten Gespräch weitere Familienmitglieder oder eine Pflegefachfrau mit dabei sind. So sind alle Beteiligten miteinbezogen, alle sind auf dem gleichen Wissensstand und die Entlastungs- und Unterstützungsansätze sind breiter abgestützt.

Für die Stützpunkte bin ich Ansprechperson in komplexen Familiensituationen. Ich kenne weitere Institutionen und Adressen zu Entlastungsangeboten und kann die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Finden geeigneter Massnahmen unterstützen. Im vergangenen Jahr habe ich an Teamsitzungen etwas zu den Erwartungen von Angehörigen an die Spitex Grauholz und unseren Möglichkeiten der Unterstützung gesagt. Im laufenden Jahr werde ich in diesem Rahmen eine Information zum Thema Patientenverfügung machen.

Die Vernetzung mit weiteren Fachstellen und Institutionen, wie dem Roten Kreuz (Besucherdienst, RK-Notruf, ZAPP), der Pro Senectute, Tagesheimen, Alzheimer Vereinigung, Seniorengruppen, Spitex-Organisationen usw.) sind sehr wichtig. Ich habe am Anfang Institutionen besucht, unsere Beratungsstelle vorgestellt und bin mit den Ansprechpersonen nach Möglichkeit, in Kontakt geblieben. So kann ich Angehörige an die für sie geeignete Fachstelle weiterleiten.

Öffentlichkeitsarbeit ist ebenfalls wichtig, damit die Beratungsstelle präsent bleibt und aufgesucht wird. Es zeigt sich immer wieder, dass nach einem Bericht in einer Lokalzeitung vermehrt Anfragen eintreffen. Wertvoll sind Anfragen wie jene von lokalen Seniorengruppen, die Beratungsstelle vorzustellen.

Im Frühjahr findet ein Anlass für pflegende Angehörige statt. Im Anschluss an den Film «Zwischen Wunsch und Verpflichtung» wird ein Podiumsgespräch stattfinden, an welchem Fachpersonen von Pro Senectute, dem Roten Kreuz, einem Tagesheim und Palliative Begleitung und der Beratungsstelle Spitex Grauholz teilnehmen werden. Das Ziel der Veranstaltung ist, die Besucher für das Thema pflegende Angehörige zu sensibilisieren, Betroffene anzuregen, ihre persönliche Situation zu analysieren und sie zu motivieren, bei Bedarf eine Fachperson aufzusuchen sowie Unterstützung anzunehmen. Dabei werden verschiedene Entlastungsangebote in unserer Region vorgestellt, und die Fachpersonen stehen für Fragen zur Verfügung.

Welches Interesse hat die Spitex, diese Aufgaben durch eine Person mit spezifischer Weiterbildung in Angehörigen- und Freiwilligen-Support ausführen zu lassen?
Unser Geschäftsleiter steht mit viel Engagement hinter der Beratungsstelle und unterstützt mich vor allem auch in der Öffentlichkeitsarbeit. Er hilft beim Initiieren von weiteren Angeboten aktiv mit und hat ein offenes Ohr für das Thema. Von den Stützpunktleiterinnen erhalte ich für meine Arbeit Wertschätzung und mein Support wird von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bedarfsfall angefordert.

Welche besonderen Entwicklungschancen im Bereich Angehörigen- und Freiwilligen-Support haben sich in den vergangenen Jahren seit Beginn Ihrer Ausbildung ergeben?
Die Beratungsstelle ist in den Betrieb implementiert. Sie ist auf allen 3 Stützpunkten bekannt und wird genutzt. Über die Beratungsstelle wurde die Abgabe von Gutscheinen an pflegende Angehörige initiiert, d.h. Angehörige können sich während einem Nachmittag oder Abend eine Auszeit nehmen und eine Spitex-Mitarbeiterin ist während dieser Zeit beim Pflegebedürftigen. Die Organisation läuft über die Beratungsstelle.

Spitex Grauholz bietet Beratungen beim Erstellen einer Patientenverfügung an. Eine Vernetzung und Zusammenarbeit mit weiteren Spitex-Organisationen wird angestrebt.
Meine Empathie ist in vielen Situationen ein «Türöffner» und ist wesentlich um in Gesprächen mit Angehörigen, beim Support von Spitex-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern eine Vertrauensbasis zu schaffen. Heute kann ich aber auch mit der nötigen Neutralität, Allparteilichkeit und Professionalität Support anbieten. Ich habe nicht mehr den Anspruch an mich, für alle Fragen, Sorgen und Belastungen sofort eine Antwort oder gar Lösung präsentieren zu müssen. Um nachhaltige Strategien für Lösungsansätze zu entwickeln braucht es Zeit und die Bereitschaft von allen Beteiligten, darauf hinzuarbeiten. Die Beratungsstelle bietet dazu den nötigen Raum: «Wertschätzung, Vertrauen und Zeit sind die Steine mit denen wir Brücken bauen.»

Welche besondere Bedeutung hat der Besuch des DAS Angehörigen- und Freiwilligen-Support für Sie?
Die erworbenen Kompetenzen sind für meine Arbeit von grosser Bedeutung. Die Studieninhalte sind in beruflicher wie persönlicher Hinsicht ein Gewinn. Für meine Arbeit in der Beratungsstelle sind für mich unter anderem das Calgary Modell, Ressourcen- und Sozialraumorientierung, Salutogenetischer und logotherapeutischer Fokus und die Beratung nach ökologisch-systemischem Modell die Basis, um professionelle Unterstützung anbieten zu können.