Freiwilligen-Support im Begleiteten Wohnen für Menschen mit Handicaps und für ältere Menschen

Brigitte Moritz hat das Projekt «Freiwilligenarbeit im Betreuten Wohnen» im Bürgerspital Basel aufbauen können. Kontinuität und Verlässlichkeit des freiwilligen Engagements sollen durch ein konsequentes strategisches Vorgehen der Institution und durch die fachliche Unterstützung der Freiwilligenkoordinatorin sichergestellt werden. Angedacht ist zudem ein Projekt «Angehörigenarbeit im Betreuten Wohnen», das voraussichtlich gegen Ende des Jahres starten und ebenfalls unter der Leitung der Freiwilligenkoordinatorin stehen wird.

Wie sieht Ihre Aufgabe im Bereich Freiwilligen-Support aus?
Brigitte Moritz: Nach dem gut angelaufenen Projekt «Freiwilligenarbeit im Betreuten Wohnen» und den stetig steigenden Zahlen von Freiwilligen, wurden im Juni 2012 die Stellenprozente der Koordinationsstelle Freiwilligenarbeit von 30% auf 80% erhöht. Die Bereiche «Betreuung Betagter» (mit sechs Alterszentren) und «Begleitetes Wohnen» (mit sechs Wohnhäusern im Langzeitbereich) gehören zum Tätigkeitsumfeld der Koordinationsstelle.

Als Koordinatorin Freiwilligenarbeit nehme ich unter anderem folgende Aufgaben wahr:

  • erkennen, definieren und planen von Einsatzmöglichkeiten innerhalb des Betreuen Wohnens
  • Rekrutierung der Freiwilligen (in der Kooperation mit GGG Benevol)
  • Organisation und Durchführung der Schulungen und Erfahrungsaustauschgruppen für Freiwillige
  • beratende Begleitung und Schulung der Teams, die mit Freiwilligen zusammenarbeiten
  • Auswertung der Einsätze
  • Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Fachstellen, die im Bereich der Freiwilligenarbeit tätig sind
  • Organisation und Durchführung der Anlässe zur Anerkennung des Freiwilligenengagements auf der Ebene des gesamten Betreuen Wohnens
  • Vereinbarung und Prüfung der Abmachungen mit freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  • Kommunikation der Informationen und Anliegen im Bereich der Freiwilligenarbeit (nach innen und nach aussen)

Darüber hinaus leite ich im Moment das Projekt «Reorganisation der Alltagsgestaltung und Aktivierung» (mit einem starken Bezug zur Freiwilligenarbeit) und ab Ende 2013 voraussichtlich das Projekt «Angehörigenarbeit im Betreuen Wohnen». Als Mitarbeiterin der Stabstelle Betreutes Wohnen bin ich organisatorisch dem Bereich der Qualitätsentwicklung zugeordnet.

Welches Interesse hat Ihre Institution, Angehörigen- und Freiwilligen-Support zu fördern und die Aufgabe durch eine Person mit spezifischer Weiterbildung ausführen zu lassen?
Das Bürgerspital Basel will die Ressource «Freiwilligenarbeit» in den Alterszentren und Wohnhäusern etablieren und gezielt nutzen. Die Kontinuität und Verlässlichkeit des freiwilligen Engagements soll durch ein konsequentes strategisches Vorgehen gesichert werden. Entsprechend hat die Institution klare Ziele und Standards formuliert:

  • Engagierte Menschen, ihr Mitwirken und ihre Ideen sind in der Institution willkommen und geschätzt.
  • Die gegenseitigen Erwartungen zwischen freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und dem Bürgerspital Basel sind geklärt.
  • Die Zusammenarbeit ist klar vereinbart und strukturiert.
  • Freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sorgfältig eingeführt und begleitet.
  • Freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden eine gute Balance zwischen Nehmen und Geben.
  • Die Einsätze der Freiwilligen sind den Bedürfnissen der einzelnen Auftraggeber (Alterszentren, Wohnhäuser) angepasst und unmittelbar gesteuert.
  • Die Teams haben eine direkte Ansprechpartnerin, die ihnen verbindlich zur Seite steht und sie in Bezug auf die Einsätze von Freiwilligen beratend begleitet.
  • Die Freiwilligen erfahren die Anbindung an das Bürgerspital Basel als eine Organisation, die das Leben der Basler Bürger und Bürgerinnen für sie und mit ihnen mitgestaltet.
  • Das freiwillige Engagement im Bürgerspital wird wahrgenommen und geschätzt.

Die Umsetzung dieser Punkte erfordert entsprechende fachliche und persönliche Kompetenzen, kann also von einer Fachperson mit der entsprechenden Weiterbildung wahrgenommen werden. Nur so kann die Qualität und Nachhaltigkeit der Freiwilligenarbeit in den Alterszentren und Wohnhäusern gewährleistet werden.

Welche besonderen Entwicklungschancen im Bereich Angehörigen-Support haben sich im vergangenen Jahr seit Beginn Ihrer Ausbildung ergeben?
Die Freiwilligen gehören heute zur «Landschaft» des Betreuen Wohnens. Sie werden als Mitarbeitende im Bürgerspital wahrgenommen, entsprechend für ihre Aufgaben vorbereitet und kontinuierlich begleitet und geschult. Ihre Zahl hatte sich seit 2010 so gut wie verdoppelt auf rund 90 Freiwillige. Inzwischen engagieren sie sich in ihren eigenen Projekten, wie z.B. im Café im Alterszentrum Lindenhof. Die Koordinationsstelle und Fachpersonen vor Ort begleiten das Projekt.  

Das für 2013/2014 geplante Projekt «Angehörigenarbeit im Betreuten Wohnen» macht deutlich, dass das Bürgerspital Basel Freiwilligen- und Angehörigen-Support als wichtigen Bestandteil des Auftrages, die ihm anvertrauten Menschen so gut wie möglich zu begleiten, erkannt hatte. Der Freiwilligen- und Angehörigen-Support trägt indirekt und doch wesentlich zur Erhaltung der guten Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner in den Alterszentren und Wohnhäusern bei. Darüber hinaus hat diese Arbeit, gesellschaftlich gesehen, einen integrativen, verbindenden Charakter und ausserdem wirkt sie positiv auf die Entwicklung der Kultur innerhalb der Organisation.

Durch die Weiterbildung als Angehörigen- und Freiwilligen-Supporterin konnte ich im Betreuten Wohnen konzeptionell einige Impulse geben und erfolgreich umsetzen. In der Folge entstand für die Koordination der Freiwilligenarbeit eine neue 80%-Stelle. Als Koordinatorin Freiwilligenarbeit kann ich mein Wissen und Können dort gut einsetzen.

Welche Bedeutung hat der Besuch des DAS-Studiengangs für Sie?
Der Besuch des DAS Angehörigen- und Freiwilligen-Support ermöglichte mir u.a. eine neue berufliche Orientierung. Die neue Arbeit erfüllt mich sehr. Tiefgreifender ist jedoch die Wandlung meines Welt- und Menschenbildes, die in der Auseinandersetzung mit den Studieninhalten ihren intensiven Anfang nahm und heute mein persönliches, gesellschaftliches und berufliches Engagement prägt.