Angehörigen- und Freiwilligenarbeit im Heim

Franziska Rihs kommt nicht aus dem pflegerischen Bereich. Sie ist verantwortlich für alle Arten von klientenbezogenen Fragestellungen. In der Heimstätte Bärau in Langnau i.E. wirken 130 Freiwillige mit. Die Koordination der Freiwilligenarbeit wurde ihr anvertraut. Das Heim und damit die Bewohnerinnen und Bewohner profitieren in hohem Mass von der institutionell verankerten Wertschätzung, welche Angehörigen und Freiwilligen entgegengebracht wird.

 

Wie sieht Ihre Aufgabe im Bereich Angehörigen- und Freiwilligen-Support aus?
Franziska Rihs: Im Klienten-Dienst der Heimstätte Bärau, einem modernen, innovativen und lebendigen Grossheim im Kanton Bern mit Wohn-, Betreuungs- und Beschäftigungsangeboten für rund 400 Klientinnen und Klienten bin ich mit verantwortlich, dass Anfragen, Aufnahmen und klientenspezifische Fragestellungen professionell, bedarfsgerecht und kundenfreundlich bearbeitet werden. Die Institutionsleitung legt grossen Wert auf umsichtige, individuelle und kompetente persönliche Beratung, Abklärung und Support. Mit viel Leidenschaft, Motivation und immer auch einer Prise Humor widme ich mich den Anliegen von Klientinnen und Klienten, Angehörigen, Freiwilligen, gesetzlichen Vertretern, Amtspersonen, Partnern und natürlich auch allen internen Kollegen mit dem Ziel, eine möglichst hohe Zufriedenheit für alle Beteiligten zu erreichen und eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen zu können. Der Dienstleistungsauftrag ist herausfordernd und spannend. Ob Einzel- oder Familiengespräche, interdisziplinäre oder systemische Arbeit, im Mittelpunkt stehen immer Menschen, mit ihren spezifischen Anliegen.

Im Bereich der Freiwilligenarbeit bin ich als Koordinatorin tätig. Dazu gehört die Prüfung und Abklärung von interessierten Freiwilligen, deren Einführung sowie der laufende Support für Freiwillige und interne Beteiligte z.B. Wohngruppenleitungen. Alle Freiwilligen der Heimstätte Bärau verfügen über eine Vereinbarung und persönliche Freiwilligenausweise, in denen sie ihre Freiwilligenstunden sowie die Weiterbildungsanlässe festhalten. Administrative Arbeiten bei Ein- und Austritten sowie die Führung von Statistiken gehören ebenfalls dazu. Weiter bin ich, in Absprache mit meinem Vorgesetzten, verantwortlich für die Umsetzung der im internen Freiwilligenkonzept festgelegten Anerkennungskultur. Dazu gehört die Organisation von Treffen und Weiterbildungen, das Schreiben von Geburtstags-, Gratulations- oder Ereigniskarten, das Aushändigen von «Freiwilligen-Buttons», welche die Freiwilligen als solche sichtbar machen und ganz wichtig, mit offenen Ohren und Augen für die Freiwilligen und deren Arbeit im Betrieb unterwegs zu sein. In der Heimstätte Bärau engagieren sich rund 130 Freiwillige in unterschiedlichen Freiwilligendiensten.

Welches Interesse hat das Heim, Freiwilligenarbeit zu fördern und diese Aufgabe durch eine kompetente Fachperson ausführen zu lassen?

Freiwillige sind wichtige Verbindungspersonen zwischen dem Leben innerhalb der Institution und des öffentlichen Umfelds. Sie sind Botschafter und damit Werbeträger der Institution Heimstätte Bärau in Bezug auf deren Image in der Öffentlichkeit. Ihre regelmässigen Feedbacks ermöglichen interne Standortbestimmungen, ihr Einsatz ermöglicht, professionelle Kräfte im Betreuungsalltag sinnvoll zu entlasten.
Die Anforderungen an eine Begleitung und Betreuung von Klientinnen und Klienten mit Demenzerkrankungen, psychisch oder neurologischen Erkrankungen, geistigen Behinderungen sowie weiteren Beeinträchtigungen sind sehr hoch. Freiwillige, welche sich in diesem anspruchsvollen Bereich engagieren, brauchen einen entsprechenden Support und Rahmenbedingungen, die ihnen Wertschätzung entgegenbringen. Diese Grundlagen werden in der Heimstätte Bärau durch konsequentes strategisches und konzeptionell verankertes Vorgehen gesichert.

Welche besonderen Entwicklungschancen im Bereich Angehörigen- und Freiwilligen-Support haben sich in den vergangenen Jahren seit Beginn Ihrer Ausbildung ergeben?
Ich habe den Eindruck, dass in den beiden Themenfeldern, nicht zuletzt durch meine Ausbildung eine höhere Sensibilisierung entstanden ist. Angehörige hatten schon vor meiner Weiterbildung einen wichtigen Stellenwert. Heute ist «Angehörigenarbeit» in der Heimstätte Bärau in den Konzepten verankert. Wohngruppenleitungen wissen um meine Supportmöglichkeit Angehörigen gegenüber und nutzen diese. Angehörige wiederum können erleben, dass der Fokus in der Institution nicht nur auf den Klientinnen und Klienten liegt, was wiederum hilfreich für die Mitarbeitenden in der Betreuung und Pflege ist.
Für die Freiwilligen hat sich einiges geändert. Durch die interne Bearbeitung der Thematik «Freiwilligenarbeit» im interdisziplinären Projektteam wurden Grundlagen für die Erstellung eines Konzepts Freiwilligenarbeit in der Heimstätte Bärau erarbeitet. Heute verfügen alle Freiwilligen über eine Vereinbarung, kennen ihre Aufgaben, Verantwortungen und ihre Rechte. Die Anerkennungskultur besteht nicht nur auf dem Papier, sondern wird konsequent umgesetzt. Interne Informations- und Kommunikationswege sind definiert und werden im Alltag begangen. Die Freiwilligen haben konkrete Ansprechpersonen, sind vernetzt und somit Teil der Institution. Alle Beteiligten sind an einer kontinuierlichen Weiterentwicklung interessiert.

Durch die Basisarbeiten, die in der Institution erfolgt sind, entstand in gewisser Weise eine neue Voraussetzung für mich als Supporterin. Besonders im Bereich der Freiwilligenarbeit freut es mich sehr, heute eine Win-Win-Situation feststellen zu können:
Für die Freiwilligen: Sinnvolles Mittun in einer Gruppe Gleichgesinnter, das Spass macht und Anerkennung gibt. Die Kontakte mit den Klientinnen und Klienten und deren Unterstützung geben das gute Gefühl gebraucht zu werden. Freiwilligenarbeit ist für Freiwillige eine Möglichkeit, das eigene Leben zu bereichern, zu verändern und hinzuzulernen – neue Handlungsspielräume können entstehen. Freiwilliges Engagement bedeutet, Chancen zu bekommen, sich selbst weiterentwickeln zu können und neue Fähigkeiten zu erproben. Freiwilligenarbeit in der Heimstätte Bärau bedeutet für die Freiwilligen eine Konfrontation mit existenziellen Fragen (Behinderung, Krankheit, Sterben).
Für alle: Wenn anlässlich gemeinsamer Erlebnisse die Zufriedenheit der Klientinnen und Klienten, die Entlastung der Mitarbeitenden sowie die Freude und Genugtuung der Freiwilligen spürbar werden.

Welche besondere Bedeutung hat der Besuch des DAS Angehörigen- und Freiwilligen-Support für Sie?
Der Besuch der Weiterbildung hat meine persönlichen sowie beruflichen Kompetenzen ideal ergänzt. Habe ich früher beispielsweise eine Beratung auf der Basis meiner personenbezogenen, empathischen Haltung den Angehörigen und Freiwilligen gegenüber durchgeführt, so kann ich heute zudem einen professionellen und fachkompetenten Support bieten. Mein bestehendes Wissen im Bereich der Heimlandschaft konnte ich spezifisch erweitern. Nicht missen möchte ich den fachlichen, interdisziplinären Austausch, welchen ich bis heute mit meinen Studienkolleginnen und -kollegen pflege (Arbeit an Berufsbild, Intervisionsmöglichkeit etc.). Die Vernetzungsmöglichkeiten sind für mich weitere Aspekte einer rundum positiven Bilanz.