Bettina Hübscher: «Gerontologie und Alterspolitik befinden sich im Aufbruch»

09.03.2017

Durch den demografischen Wandel erhalten Altersfragen eine noch nie dagewesene gesamtgesellschaftliche Brisanz und Relevanz. Bettina Hübscher, Leiterin der Fachstelle für Altersfragen der Stadt Luzern und Absolventin des CAS Altern im gesellschaftlichen Kontext erzählt im Interview über aktuelle Herausforderungen in ihrem Aufgabenbereich. Dabei erklärt sie, wie Gerontologie als interdisziplinäre Wissenschaft – wie sie an der Berner Fachhochschule betrieben wird – ihr Verständnis für umfassende und praxisorientierte Lösungen geprägt hat.

1. Bettina Hübscher, Sie leiten die Fachstelle für Altersfragen der Stadt Luzern. Welche Herausforderungen stellen sich für Sie bei dieser Aufgabe?

Die Fachstelle für Altersfragen ist das Bindeglied zwischen Verwaltung, Politik und der älteren Bevölkerung von Luzern. Die Herausforderung ist, zwischen politisch Machbarem und Wünschbarem pragmatische Lösungen zu finden und die Altersthematik zu platzieren. Es braucht auch immer wieder Kompromisse zwischen den Bedürfnissen der älteren Bevölkerung und dem politisch Umsetzbaren. Alterspolitik auf Kommunalebene ist ein höchst dynamisches Feld, in dem vieles im Wandel ist, Neues aufgebaut werden kann. Sowohl die Gerontologie als Fachgebiet wie auch die Alterspolitik befinden sich im Aufbruch, so wie es in den 80er und 90er-Jahren der Fall war im Bereich der Kinder- und Jugendpolitik. Besonders beschäftigen wir uns zurzeit mit Fragen des Wohnens im Alter und der Stadt- und Quartierentwicklung,  damit diese auch längerfristig den Bedürfnissen aller Generationen gerecht wird.

2. Sie haben vor zwei Jahren den CAS Altern im gesellschaftlichen Kontext besucht. Was hat Ihnen diese Weiterbildung gebracht?

Sehr viel. Ich habe mich schon im Rahmen meines Masterstudiums in Psychologie Ende der 80er-Jahre mit Gerontologie befasst und war fasziniert davon, damals als Teilthematik der Entwicklungspsychologie. Im CAS Altern im gesellschaftlichen Kontext wird Gerontologie als interdisziplinäre Wissenschaft gelehrt und angewendet. Es war für mich enorm spannend, die Palette an Themenfeldern aus Politik, Ethik, Psychologie, Soziologie und Theologie präsentiert zu bekommen und ich hatte den Eindruck, für meine jetzige Aufgabe sehr gut vorbereitet zu sein. Die Dozierenden an der Berner Fachhochschule sind allesamt Expertinnen und Experten in ihrem Fachbereich, hochkompetente Fachleute mit enormem Engagement für ihr Thema. Der Unterricht war abwechslungsreich gestaltet, ich bekam viele Anregungen und Ideen zum Weiterverfolgen. Auch der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen, die aus verschiedenen beruflichen Themenfeldern stammen, war inspirierend.

3. Sie haben in Ihrer Modularbeit die künstlerische und persönliche Entwicklung von Malerinnen in der dritten Lebensphase untersucht. Wieso dieses Thema?

Eine Kollegin hatte mich auf das Buch "So viel Energie" von Hanna Gagel aufmerksam gemacht. Darin wird die künstlerische Entwicklung von Malerinnen jenseits der Lebensmitte bis ins hohe Alter präsentiert. Umbrüche, Zweifel und Krisen wechselten bei vielen bekannten Künstlerinnen mit kreativen Phasen und dem Entwickeln einer neuen Formen- und Bildsprache ab. Diese kreative Kraft, das Spezifische der künstlerischen Entwicklung, die im Alter weitergeht und sich wandelt, interessierte mich. Die Ergebnisse meiner kleinen Studie deckten sich mit dem von Frau Gagel Beschriebenen.

 

Bettina Hübscher, lic. phil. I, Psychologin. Jg. 1966, lebt in Bern und ist Mutter zweier erwachsener Söhne wurde interviewt von Maja Grolimund Daepp.

CAS Altern im gesellschaftlichen Kontext
Nächste Durchführung: 14. Juni 2017 – 12. Januar 2018
Anmeldeschluss: 30. Mai 2017